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Kelly Oram: V is for Virgin.

Details:
Seitenzahl: 337 Seiten
Verlag: one
Erschienen: 29. Mai 2020

Inhalt:
Val Jensen wird von ihrem Freund verlassen – weil sie mit dem Sex bis zur Ehe warten will. Als ihre Geschichte über YouTube viral geht, wird sie unter dem Namen Virgin Val landesweit bekannt. Das Chaos scheint perfekt, als schließlich Rockstar Kyle Hamilton vor ihr steht: Der Sänger der Boyband Tralse hat es sich nämlich zum persönlichen Ziel gemacht, sie zu verführen. Womit Kyle allerdings nicht gerechnet hätte: Val bereitet ihm ganz schönes Herzklopfen …

Meine Meinung:
Es kam bisher selten vor, dass ich bei einem Buch SO zwiegespalten war wie hier. Denn auf der einen Seite war es so gut zu lesen, dass ich innerhalb eines einzigen Tages durch war, aber andererseits liegen mir die Kritikpunkte wirklich schwer im Magen, weil sie sehr gewichtig sind.
Aber der Reihe nach.

Starten wir mit den positiven Aspekten: wie bereits erwähnt habe ich die Geschichte innerhalb eines einzigen Tages (beziehungsweise mit einer langen Nachtschicht) durchgesuchtet, weil ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen. Das passiert höchst selten und ist ein klares Indiz dafür, dass die Autorin sehr viel richtig gemacht haben muss. Der Schreibstil ist einfach so unfassbar gut und fesselnd, das habe ich nicht oft erlebt. Es liest sich so locker leicht und trotzdem geht es teilweise in die Tiefe, ist lustig, ernst und auch knisternd. Es war wie ein Rausch in dieses Buch einzutauchen und echt schwer, freiwillig wieder aufzutauchen.

Darüber hinaus finde ich das Thema des Romans einfach großartig. Es geht darum, dass es toll ist, wenn man „Nein“ zu Sex sagt. Dass man sich für die Ehe aufsparen kann, wenn man das selbst möchte. Dass es super ist auch später im Leben, falls das erste Mal schon passiert ist, den Fokus nicht auf die körperlichen Aspekte einer Beziehung zu legen, sondern abstinent zu bleiben. Aber – und das finde ich sehr wichtig – falls man für sich einen anderen Weg wählt, fern von Jungfräulichkeit und Abstinenz, dann ist das auch in Ordnung. Hier wird kein moralischer Zeigefinger erhoben, sondern junge Menschen sollen einfach ermutigt werden, für sich selbst zu entscheiden, ohne Druck von außen. Beim Lesen habe ich mir tatsächlich mehrmals gedacht, dass ich meinen Kindern diese Geschichte später einmal geben möchte, damit sie genau das lernen. Dass sie sehen, dass man sich selbst treu bleiben soll, sich nicht von den Erwartungen der Gesellschaft kaputt machen lassen darf. Diese Message ist so so so wertvoll, gerade für Jugendliche und hat mich absolut überzeugt.
Ein bisschen deutlicher hätte man noch machen können, dass man sich sexuell auch ausleben darf, wenn man das selbst wirklich will. Denn „zu viel“ Ausleben wurde doch ziemlich negativ dargestellt.

Nun muss ich aber leider auch über die negativen Dinge sprechen, die mir aufgefallen sind. Angefangen bei der Protagonistin Valerie. Ich mochte sie schon gern, denn immerhin muss ganz schön viel Mut dahinter stecken, wenn man sich öffentlich so stark für sich und andere macht, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, sondern ihren eigenen Weg gehen wollen. Aber tatsächlich ist das so ziemlich das Einzige, das ich über die Protagonistin weiß. Man lernt sie einfach nicht wirklich kennen, bekommt keinen echten Zugang zu ihr – zumindest war das mein Empfinden. Es steht eigentlich immer nur ihre Kampagne für das „Nein zum Sex“ im Mittelpunkt, ihr Handeln dafür usw. Aber so wirklich richtig ihre Gefühle, geheimsten Gedanken, Hobbys oder sonst was, lernt man im Grunde überhaupt nicht kennen. Das hat es mir teilweise schon schwer gemacht, mich so ganz auf Val einzulassen.

Was ich aber definitiv sehr schlimm an „V is for Virgin“ fand, ist Kyle. Diese Figur ist etwas, das eigentlich nicht in einem Jugendbuch existieren dürfte, wenn man mich fragt. Er sendet etwas so furchtbares aus, das heutzutage leider viel zu oft verharmlost wird. Als er hört, dass Val sich bis zur Ehe aufheben möchte, beginnt er sie systematisch fertig zu machen, zu stalken und zu bedrängen. Und ja, ich würde es wirklich so krass ausdrücken. Er akzeptiert ihre Einstellung in keiner Weise, tut teilweise so schlimme Dinge, dass mir ganz anders wurde und macht sie richtiggehend fertig, weil sie nicht mit ihm ins Bett möchte. Und das aller Schrecklichste daran: Es wird als nicht so schlimm dargestellt. Im Buch hat man nicht den Eindruck, dass Kyles Verhalten krank und in jeder Hinsicht falsch ist. Oh nein. Es wird verharmlost und fast schon „süß“ genannt. Hin und wieder sagt irgendwer, dass es falsch von Kyle ist sich so zu benehmen, aber sobald er auf Val trifft, scheinen alle gemeinen und verletzenden Ereignisse plötzlich vergessen. Weil er ja so sexy ist.
Sorry, aber das geht einfach nicht. Man kann doch nicht das Bild vermitteln, dass es okay ist, ständig heftigst bedrängt, fertig gemacht und öffentlich bloßgestellt zu werden! Das geht einfach nicht, egal wie sexy oder berühmt jemand ist.
Nein heißt Nein. DAS ist es, was den Jugendlichen mit auf den Weg gegeben werden muss. Punkt.

Ein Fazit zu ziehen fällt mir bei diesem Buch wie gesagt wirklich schwer, da ich so zwiegespalten bin. Einerseits die starke Suchtwirkung, andererseits Val und vor allem Kyle, dessen Verhalten schauderhaft ist.


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