Lila Bücherwelten

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Dana Müller-Braun: The Run.

Details:
Seitenzahl: 400 Seiten
Verlag: Impress/Carlsen
Erschienen: 18. März 2021

Inhalt:
Vier Götter wurden einst auf die Erde gesandt, um das Zeitalter der Menschen einzuläuten. Aus schwarzem Sand schufen sie das Reich des Kampfes. Aus goldenem Staub erwuchs die Weisheit. Aus roter Asche wurde der Tod geboren. Und aus blauem Eis das Leben. So die Legende, die noch heute Saris Schicksal bestimmt. Wie alle Achtzehnjährigen muss sie den gefährlichen Lauf durch die vier Reiche der Götter bestehen, bevor sie ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft werden kann. Dabei ist sie auf die Hilfe eines mächtigen Schattenbringers angewiesen, der ihr Herz ungewöhnlich tief berührt. Aber seine Treue gilt nicht ihr …

Meine Meinung:
An diesem Buch ist man in den vergangenen Wochen kaum vorbeigekommen. Es war sehr präsent und wurde offenbar wirklich häufig gelesen, sodass die Erwartungshaltung dementsprechend hoch war. Das kann schwierig sein, da man dadurch leichter von einer Geschichte enttäuscht ist als wenn man zuvor kaum etwas davon gehört hat. Die große Frage ist also: Kann „The Run“ dem Hype gerecht werden?
Meine Antwort fällt da nicht so ganz eindeutig aus.

Die Szenen, die wir lesen dürfen, sind wirklich großartig. Bildgewaltig, voller Emotionen und sie können definitiv mit großen Fantasywerken mithalten. Auch die hier dargestellte Welt, die Gesellschaft, die Götter und alles andere sind vielversprechend und wahnsinnig interessant. Hier steckt viel Arbeit, Mühe und Kreativität dahinter, sodass ich tatsächlich beeindruckt war. Dazu kommen überraschende Wendungen und Verstrickungen, die zur Spannung beigetragen haben. Allerdings waren eben diese auch das Problem. Denn die Wendungen sind teilweise so abrupt, dass sie scheinbar zusammenhangslos wirken. Oft passieren Dinge einfach aus dem Nichts und ich war mehr als einmal verwirrt und hatte Mühe, alles zuordnen zu können.
Was auch zu dieser Problematik beiträgt, ist, dass die Zeit keine Rolle zu spielen schenit. Tage vergehen ohne dass man als Leser überhaupt etwas merkt. Es wird immer weiter erzählt und plötzlich heißt es, es wäre ein paar Tage her. Man kann leider zeitlich überhaupt nichts einordnen und für die Strecken im geographischen Sinne gilt dasselbe. Innerhalb von ein paar Stunden kann man das ganze Reich durchqueren? Oder liegt das nur an der seltsamen Art wie Zeit hier vernachlässigt wird?! Ich konnte das Lesen leider irgendwann gar nicht mehr richtig genießen, weil mir alles etwas durcheinander vorkam.

Wie gesagt, die einzelnen Szenen, in denen wirklich etwas pasiert, sind für sich wirklich grandios geschrieben. Aber das Dazwischen, wie diese großen Szenen miteinander verbunden werden, hat mich leider nicht überzeugen können. Dadurch konnte man die Entwicklung der Charaktere teilweise auch nicht so ganz nachvollziehen und es wurde schwer, eine richtige Bindung zu den Figuren aufzubauen. Man wird sozusagen immer wieder aus ihrem Innenleben herausgerissen und an einer anderen Stelle wieder zurückgebracht (ohne einordnen zu können, ob Tage oder nur Stunden vergangen sind).

Neben den großen Fantasymomenten, die überzeugen können, ist auch die Anziehung zwischen den Protagonisten greifbar und wirklich toll umgesetzt. Man hat selbst als Leser die Funken gefühlt, die zwischen ihnen sprühen. Aber das Hin und Her zwischen den beiden war ab einem gewissen Punkt sehr anstrengend. Immer und immer wieder hat Sari denselben Fehler gemacht, immer und immer wieder hat sich ein und dasselbe wiederholt, nur vor anderen Kulissen.

Es fällt mir an dieser Stelle wirklich schwer, ein Fazit zu ziehen, da ich hin- und hergerissen bin. Einerseits die grandiosen Ideen und einzeln betrachtet bildgewaltige Szenen mit überraschenden Wendungen – andererseits kein Zeitgefühl, abrupte Veränderungen und Wiederholungen. Was ich aber sagen kann, ist, dass die Autorin sich hier an und für sich eine großartige Welt überlegt hat und meisterhaft mit ihren Worten umgegangen ist. Am Ende muss wohl jede*r Leser*in selbst entscheiden, wie sehr ihn/sie meine genannten Kritikpunkte in einem Roman stören.

(Bild- und Textrechte liegen beim Verlag)


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