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Jennifer Wolf: Das Lied der Sonne.

Details:
Seitenzahl: 402 Seiten
Verlag: Impress/Carlsen
Erschienen: 5. März 2020

Inhalt:
**Verbotene Liebe am Hof des Königs**
Lanea liebt ihr Leben. Sie genießt es, jeden Morgen mit den Stammesmitgliedern am feinen Sandstrand die Sonne zu begrüßen und mit ihrer besten Freundin, der Häuptlingstochter, unbeschwert zu lachen. Doch von einem Tag auf den anderen ändert sich alles. Der zukünftige Großkönig des Reiches ruft zur Brautschau und Lanea soll als falsche Prinzessin an den Hof reisen. Ein Ort, an dem man ihr nicht nur mit Vorurteilen begegnet, sondern hinter jeder Ecke Intrigen und tödliche Verschwörungen lauern – und mittendrin Prinz Aaren, dessen sanftmütige braune Augen Laneas Herz bei jedem Blick zum Flattern bringen. Doch seine Liebe darf sie nicht für sich gewinnen…

Meine Meinung:
Ich liebe die Bücher von Jennifer Wolf einfach. Sie schafft es scheinbar mühelos Gefühle und Emotionen authentisch und echt zu Papier zu bringen und mit jedes Mal wieder mitzureißen. Diese echte Emotionalität ist es, die mich jedes Mal aufs Neue verblüfft und völlig in den Bann der Geschichten dieser Autorin zieht.
Deshalb tut es mir umso mehr weh, dass ich bei „Das Lied der Sonne“ nun Kritik üben muss. Denn genau das, was Jennifer Wolfs große Stärke ist, kommt hier leider kaum zur Geltung.

Die Handlung an sich ist sehr interessant und das Setting wirklich toll gewählt. Ich liebe die hier erschaffene Welt von Valean und war sehr gern dort. Gerade Palila, Laneas Heimat, hat es mir angetan und ihre Reise aus dem Paradies in das verdorbene Zentrum der Macht des Reiches fesselt den Leser an das Buch. Doch hätte man vieles ausführlicher behandeln müssen. So viele Konflikte, Probleme und wirklich große Themen werden zu schnell abgehandelt bzw. so glatt und einfach gelöst, dass ich mich mehr als einmal fragen musste: War das jetzt wirklich alles? Kommt da noch was?
Natürlich muss nicht immer ein großes Drama um alles gemacht werden, aber diese Art der Problemlösung wurde leider sehr, sehr oft verwendet. Es gab so viele großartige Themen, die man mehr hätte ausbauen können (und eigentlich müssen?), aber die Lösung kommt á la Deus ex machina aus dem Nichts und prompt ist alles gut. Das hat meiner Ansicht nach der Geschichte leider einen negativen Beigeschmack verpasst.

Kommen wir zu der Kritik, bei der mir das Herz blutet: Denn die Liebesgeschichte hat mich leider nicht überzeugen können. Ich kann gar nicht fassen, dass ich das hier schreiben muss, denn das kenne ich so einfach nicht von der Autorin. Aber ja, es ist nun einmal so wie es ist … Laneas Gefühle kann man leider überhaupt nicht verstehen, warum sie sich verliebt. Man spürt es nicht als Leser, man kann es nicht wirklich nachvollziehen. Die starken Gefühle, die heftigen Emotionen, die Zerrissenheit, weil die Liebe nicht sein darf – nichts davon kommt wirklich bei mir an. Und das ist so so so traurig, weil es in anderen Romanen von Jennifer Wolf eben jene Themen es sind, die mich ihren Schreibstil zu lieben gelehrt haben.
Ich weiß nicht, woran es liegt. Dass man relativ viel Handlung in einen Einzelband stecken wollte und das auf Kosten der Liebesgeschichte? Ich hätte mir wirklich lieber eine Dilogie gewünscht und dafür gerade diesen Aspekt viel, viel ausführlicher und emotionaler.

Was ich zwiegespalten sehe, ist der Umgang mit Intrigen in diesem Buch. Am Hof gibt es diese nun einmal in großer Zahl und wenn ich mir andere Romane mit einem vergleichbaren Setting anschaue, stehen diese dort oft (zu sehr) im Vordergrund. Hier lehrt uns die Autorin jedoch oft, dass man auch an das Gute im Menschen glauben darf. Dass es auch freundliche und von Herzen aufrichtige Menschen gibt, die keine eigenen Ziele verfolgen oder dem anderen etwas vorspielen. Das liebe ich und das finde ich eine weitere große Stärke der Autorin. Gleichzeitig kam es mir aber irgendwann etwas unrealistisch vor, dass alle so gut und nett sind und niemand den anderen verrät. Denn wie gesagt, am Hof des Herrschers geht es nicht immer mit ehrlichen Mitteln zu.

Fazit:
Es bricht mir das Herz, aber „Das Lied der Sonne“ konnte mich tatsächlich nicht so wirklich überzeugen, weil sowohl die Handlung als auch vor allen Dingen die Liebesgeschichte zu kurz kamen. Geschrieben ist das Buch toll und ich habe es im Großen und Ganzen auch gern gelesen – aber bei mir kamen leider kaum Gefühle an. Gerade das, was die größte Stärke dieser genialen Autorin ist.


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